Vergesellschaftung

Aus eins wird zwei – Kaninchen vergesellschaften

Grundsätzliches
Hat ein Kaninchen alleine gelebt oder ist ein Partner verstorben, kann es notwendig sein, dieses neu zu vergesellschaften. Schließlich leben Kaninchen in freier Wildbahn in großen Gruppen und benötigen unbedingt soziale Kontakte zu Artgenossen.

Dabei sind die Größe und Rasse der Tiere in der Regel nebensächlich. Viel wichtiger ist der Charakter der Langohren. So wird es bei der Kombination aus zwei sehr dominanten oder sehr unterwürfigen Tieren sehr viel häufiger zu Spannungen kommen, als bei einem Paar, dessen Charaktereigenschaften miteinander harmonieren.

Neben dem Charakter spielt auch das Alter der Kaninchen bei der Vergesellschaftung eine Rolle. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, Tiere zu vergesellschaften, die in etwa das gleiche Alter aufweisen. In keinem Fall sollten Sie erwachsene Kaninchen mit Jungtieren unter 16 Wochen vergesellschaften (Verletzungsgefahr!) und auch der Rammler sollte immer im gleichen Alter oder etwas älter als die Häsin sein, da die Weibchen meist die dominanteren im Gespann sind und ein jüngeres Männchen häufig angreifen.

In größeren Gruppen können auch Jungtiere integriert werden, allerdings muss dies unter strenger Beobachtung geschehen, um im Fall des Falles eingreifen zu können.
 
Wie geht man die Vergesellschaftung am besten an?
Am einfachsten funktioniert die Vergesellschaftung, wenn es sich um zwei Jungtiere unter vier Monaten handelt. Hier gibt es nur selten Probleme und die Tiere können sofort zusammengesetzt werden.

Bei erwachsenen Kaninchen gilt es einige Vorbereitungen zu treffen. So sollte die Vergesellschaftung in jedem Fall auf neutralem Boden stattfinden, d. h. an einem Ort, an dem beide Kaninchen vorher noch nicht waren und daher auch keine Revieransprüche stellen können.

Dieser Vergesellschaftungsort sollte mindestens 6 m² umfassen und mit mehreren Unterschlüpfen versehen sein. Achten Sie darauf, dass diese mehrere Ausgänge an verschiedenen Seiten besitzen, um zu vermeiden, dass ein Kaninchen in die Enge getrieben wird.

Für die eigentliche Vergesellschaftung sollten Sie ein wenig Zeit (Urlaub, Wochenende) einplanen und eine zweite Person als Unterstützung engagieren, um im Notfall effektiver eingreifen zu können. Es ist wichtig, dass sich die Kaninchen vor der Vergesellschaftung nicht sehen oder riechen, da sich dadurch leicht Aggressionen aufstauen.

Der Tag der Vergesellschaftung
Es ist soweit. Sie wollen sich an das Abenteuer Kaninchenvergesellschaftung wagen. Verteilen Sie vorab Grünfutter, Gemüse, Leckereien und Heu im Gehege. Dadurch werden die Tiere abgelenkt und Fressen trägt auch zur Beruhigung bei.

Setzen Sie dann beide Kaninchen gleichzeitig in das Gehege und bewahren Sie die Nerven. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die beiden Tiere nach einer kurzen Annäherung die Rangordnung klären.

Dabei kann es dazu kommen, dass die Kaninchen kämpfen, sich durch das Gehege jagen, einander berammeln und dabei Knurr- und Brummlaute von sich geben, die Sie von diesen zarten Tierchen nie erwartet hätten. Bewahren Sie hier bitte Ruhe und mischen Sie sich nicht ein. Dieses Verhalten ist ganz normal, sieht meist schlimmer aus, als es ist und kann auch schon einmal einige Tagen oder Wochen andauern, bis die Rangfolge geklärt ist. Es kann auch vorkommen, dass die Kaninchen für die Zeit der Vergesellschaftung unsauber werden. Dies ist kein Grund zur Besorgnis und gibt sich in der Regel wieder.

Eingreifen sollten Sie nur dann, wenn es zu wirklich ernsten Auseinandersetzungen kommt, d. h. wenn Blut fließt oder sich die Tiere ineinander verkeilen und nicht mehr voneinander ablassen. In diesen Fällen trennen Sie die Kaninchen und versuchen die Vergesellschaftung am nächsten Tag erneut.

Verwenden Sie zur Trennung unbedingt Handschuhe, um Verletzungen zu vermeiden. Bessert sich das Verhalten auch am zweiten Tag nicht, sollten Sie die beiden Kaninchen für mindestens zwei Wochen komplett separieren und dann einen erneuten Versuch wagen.

Ist auch dieser nicht von Erfolg gekrönt, ist es wahrscheinlich, dass die Chemie zwischen den beiden Kaninchen einfach nicht stimmt. In diesem Fall sollten Sie die Vergesellschaftung mit einem anderen Partner angehen.

Trennen Sie die Tiere nur bei ernsthaften Auseinandersetzungen.

Wann ist die Vergesellschaftung abgeschlossen?
Sobald die beiden Kaninchen im Gehege friedlich bleiben, nebeneinander fressen und sich vielleicht sogar schon putzen, können Sie dazu übergehen, diesen gemeinsamen Auslauf zu gewähren. Zeigen sie sich auch dort über mehrere Stunden harmonisch, folgt der nächste große Schritt, die Integration des neuen Kaninchens in das Gehege des alteingesessenen.

Reinigen Sie dazu im Vorfeld das gesamte Gehege mit Essigwasser und stellen Sie die Einrichtung um und/oder fügen Sie einige neue Einrichtungsgegenstände hinzu. Setzen Sie dann zuerst das neue Kaninchen in das Gehege, damit es sich im neuen Domizil ein wenig umsehen kann. Gesellschaften Sie dann Ihr alteingesessenes Kaninchen dazu und warten Sie einfach ab. Manchmal kommt es zu diesem Zeitpunkt noch einmal zu Kämpfen und Verfolgungsjagden. Diese geben sich jedoch in der Regel schnell wieder und einem harmonischen Zusammenleben steht nichts mehr im Wege.

Ausnahmen zu oben genanntem
In Einzelfällen kann es sinnvoll sein, Kaninchen erst einmal durch ein Gitter getrennt zu halten, so dass sie sich sehen und riechen können. Dies ist bei Kaninchen der Fall, die sich bis dato gut verstanden haben, aber im Rahmen der Kastrationsquarantäne (6 Wochen) vorübergehend getrennt werden müssen.

Auch bei sozial gestörten Tieren ist die Vergesellschaftung über vorherige Gitterabtrennung eine Möglichkeit. Abzuraten ist von so genannten Crashvergesellschaftungen, bei denen einfach ein Kaninchen zum anderen ins Gehege gesetzt wird. Diese sind mit einem immensen Stress für die Tiere verbunden. Eine sanfte Vergesellschaftung ist dieser immer vorzuziehen.

Vergesellschaftung mit Meerschweinchen
Unglücklicherweise wird immer noch häufig empfohlen, Kaninchen mit Meerschweinchen zusammenzusetzen. Von dieser Konstellation ist im Interesse der Tiere aus verschiedenen Gründen abzuraten. Zum einen dominieren die Kaninchen die Meerschweinchen schon allein durch ihre Größe und können die Meerschweinchen im Eifer des Gefechts durchaus schwer verletzen oder sogar töten. Zum anderen bedeutet das Zusammenleben mit Kaninchen für die Meerschweinchen immensen Stress.

Darüber hinaus sprechen Kaninchen und Meerschweinchen völlig unterschiedliche Sprachen. So haben Meerschweinchen im Gegensatz zu Kaninchen beispielsweise eine sehr komplexe Lautsprache und auch das den Kaninchen typische Kuscheln kennen Meerschweinchen nicht. Diese kuscheln sich nur aneinander, wenn sie jung sind, unter Einsamkeit leiden oder Angst haben. Aus den genannten Gründen kann eine Vergesellschaftung von Kaninchen und Meerschweinchen immer nur eine Notgemeinschaft sein und hat mit artgerechter Haltung nichts zu tun.

Vergesellschaftung mit Hund, Katze, Maus etc.
Auch von der Vergesellschaftung mit anderen Tieren ist abzuraten. Hund und Katze wirken zwar oft harmlos, es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass Kaninchen ins Beuteschema dieser Tiere gehören und die Kaninchen auch beim Spielen verletzen können. Daher sollte der Kontakt mit Katzen und Hunden maximal nur unter Aufsicht geschehen.

Eine Vergesellschaftung mit Nagern ist nicht möglich und kann schnell mit dem Tod des unterlegenen Tieres enden.